Mitgefühl und die Natur der Dinge

Geschrieben am 20.03.2025
von SR


Eines Morgens, nach einer langen Meditation, öffnete ein weiser alter Mann langsam seine Augen.

Als sein Blick über das sanfte Fließen des Flusses schweifte, bemerkte er einen Skorpion, der verzweifelt im Wasser trieb. Die Strömung trug das hilflose Geschöpf näher an die mächtigen Wurzeln eines Baumes heran, die weit in den Fluss ragten. Ohne zu zögern, lehnte sich der alte Mann über eine der Wurzeln und streckte seine Hand aus, um das Tier zu retten. Doch kaum hatte er es berührt, schnellte der Skorpion vor Angst hervor und stach ihn. Der Schmerz zuckte durch seine Hand, und instinktiv zog er sie zurück.



Nach einem Moment des Innehaltens, als er seine Fassung wiedergewonnen hatte, versuchte er es erneut. Erneut griff er nach dem Skorpion, entschlossen, ihn aus seiner Not zu befreien. Doch diesmal war der Stich noch heftiger. Sein Arm begann anzuschwellen, Blut tropfte von seiner Hand, und ein Ausdruck des Schmerzes huschte über sein Gesicht.

Gerade in diesem Moment kam ein Wanderer vorbei und beobachtete die Szene mit ungläubigem Blick. Er konnte nicht verstehen, warum der alte Mann sich solch einer Gefahr aussetzte. Mit einem höhnischen Lachen rief er: „Was tust Du da, alter Mann? Warum riskierst Du Dein Leben für dieses abscheuliche Tier? Jeder weiß, dass ein Skorpion sticht! Es ist töricht, einem Geschöpf zu helfen, das Dich verletzt.“


Der alte Mann hob langsam seinen Blick und sah dem Fremden direkt in die Augen.

Mit ruhiger Stimme erwiderte er: „Guter Freund, der Skorpion handelt nach seiner Natur – er sticht. Aber warum sollte ich meine eigene Natur ändern, nur weil er seiner folgt? Ich bin hier, um zu helfen.“



Die Lehre dieser Geschichte

Im Buddhismus wird gelehrt, dass wahres Mitgefühl nicht von den Reaktionen anderer abhängt.

Wenn wir Güte aus unserem tiefsten Inneren heraus zeigen, tun wir dies nicht, weil wir Dankbarkeit erwarten, sondern weil es unserer Natur entspricht.



Der alte Mann verstand, dass Mitgefühl unabhängig von äußeren Umständen bestehen sollte. So wie der Skorpion nicht anders kann, als zu stechen, kann ein Mensch, der in sich selbst Ruhe gefunden hat, nicht anders, als zu helfen. Diese Geschichte erinnert uns daran, dass wahre Güte nicht durch die Handlungen anderer bestimmt wird – sondern durch unsere eigene innere Haltung.



Ein passendes Zitat von Buddha zu dieser Geschichte ist:

„Vergelte niemals Böses mit Bösem. Besiege Zorn durch Liebe, Besiege das Schlechte durch das Gute.“

Dieses Zitat verdeutlicht, dass wahres Mitgefühl und Güte unabhängig von den Taten anderer bestehen sollten. Der weise alte Mann in der Geschichte hilft dem Skorpion nicht, weil er Dankbarkeit erwartet, sondern weil es in seiner Natur liegt, Gutes zu tun.



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